KurzVita Carlo Cazals

Carlo Cazals - der machtlose Individualist Dagmar Lott-Reschke (Kunsthistorikerin, Hamburg) über Carlo Cazals: "Der Prozess des Zeichnens führt bei Cazals zu einer Konkretisierung seiner inneren Welt. In den Skulpturen erhält Gedankliches eine anschauliche Präsenz, seine Dämonen werden greifbar und zugleich gebannt. Die Objektivierung im Bild ist eine Form der Bewältigung und Befreiung. Cazals Welt ist von Leid und Leidenschaften geprägt, es ist eine Welt, in der Menschen entstehen, leiden, lieben, eine tragische Kunst, der nichts Menschliches fremd ist und in der zugleich eine übermächtige Weltangst spürbar wird. Die Zeichnung und in ihr die plastische Konzeption von Welterfahrung wird durch ihre Präsentation zur diskursiven Sprache. Zwar ist der Ursprung der Zeichen ein zutiefst subjektiver, doch die Bilder sind als Botschaft zu verstehen. In Cazals Augen sind seine Werke Manifestation einer Krise, die nicht nur die seine ist. Er selbst sieht sich als Observateur wie als Provokateur. Seine Gesellschaftskritik wird durch Annotationen und Bildtitel unterstrichen. Sie reichen von der schlichten Empirie wie „Charakterologie St. Pauli“ bis zum Defätismus: „Erwachter Unrat“ und „Höllensöhne“. Cazals, „Der machtlose Individualist“, warnt vor „Spießern“ und „Philistern“. Der deutsche Soziologe Georg Simmel schreibt: „Die tiefsten Probleme des modernen Lebens quellen aus dem Anspruch des Individuums, die Selbstständigkeit und Eigenart seines Daseins gegen die Übermächte der Gesellschaft, des geschichtlich Ererbten, der äußerlichen Kultur und Technik des Lebens zu bewahren.“

Carlo Cazals (1948–2022)

1948 – Geboren am 11. April 1948 in Hamburg als Udo Klein.

 

1960er Jahre
Frühe musikalische und künstlerische Ausbildung. Prägende Förderung durch die Opernsängerin, Dramaturgin und Kunstpädagogin Gertrud Pirsch, die ihn in Gesang, Kunst, Philosophie und Literatur unterrichtete. Beginn einer langjährigen künstlerischen und persönlichen Verbindung.

 

1964–1966
Erste musikalische Aufnahmen und Studienreisen, unter anderem nach Italien (Rom, Amalfi, Ravello). Frühe öffentliche Auftritte als Sänger.

 

Ende 1960er Jahre
Freistellung vom Wehrdienst auf Grundlage hochrangiger künstlerischer Fördergutachten, u. a. aus dem Umfeld der Hamburger Staatsoper.

 

1970er Jahre
Zunehmende Hinwendung zur bildenden Kunst parallel zur musikalischen Tätigkeit. Intensive Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte, insbesondere mit der europäischen Malerei der Renaissance, des Expressionismus und der Moderne. Austausch mit etablierten Künstlern und Professoren der Hamburger Kunstszene.

 

1980er Jahre
Weiterentwicklung einer eigenständigen bildnerischen Sprache jenseits akademischer Lehrmeinungen. Beschäftigung mit dem Bau und der Restaurierung von Streich- und Zupfinstrumenten. Fortgesetzte musikalische Tätigkeit.

Längere Schaffenspause aufgrund der Pflege seiner Mäzenin und Lehrerin Gertrud Pirsch über 10 Jahre.

 

1994
Tod von Gertrud Pirsch. Offizielle Annahme des Künstlernamens Carlo Cazals.

 

1990er Jahre
Verstärkte Konzentration auf die bildende Kunst. Übergang von gegenständlichen zu zunehmend abstrakten Arbeiten, ergänzt durch handschriftliche Textfragmente und philosophische Reflexionen. Beteiligung an interdisziplinären Projekten zwischen Musik, Malerei und Performance, z.B. mit der Krautrockgruppe FAUST.

 

Ab Mitte der 1990er Jahre
Verlagerung des Lebensmittelpunkts nach Mecklenburg-Vorpommern. Leben und Arbeiten in Parchim.

 

2022
Gestorben 2022 in Parchim, Mecklenburg-Vorpommern.

AUSSTELLUNGEN – eine Auswahl

1984 – Galerie Vesper Hamburg

1988 – 1992 – Dauerausstellung Auktionshaus Kuhlmann und Struck Hamburg

1994 – 1995 – Auktionshaus Schopmann Hamburg

1995 – Burgtheater Ratzeburg

1996 – Lauenburgische Akademie in Mölln

1998 – Galerie „Ebe-Art“ Parchim

1998 – Rathaus Syke bei Bremen und Galerie „Am Friedeholz“

1998 – Haftanstalt Ückermünde

1998 – Altonaer Theater Hamburg

1999 bis 2001 – Ausstellung Hamburgische Kulturstiftung

1999 – Galerie Wannsee Berlin-Wannsee

2000 – Kulturhistorisches Museum Stralsund

2003 – Schloss Gremmelin / MV

2004 – Kunstmesse Salzburg (Dr. Boehner )

2005 – Galerie Dr. Boehner in Mannheim

2006 – Dauerausstellung Schloss Daschow

2007 – Freilichtmuseum Schwerin-Muess

2010 – Städtische Galerie Wismar „Baumhaus“

2015 – Kunsthalle Kühlungsborn

2016 – Ad Art Hamburg bei KSP Rechtsanwälte

2016 – Kulturforum und Skulpturenpark Pampin

2017 – Beteiligung Illustrade Kunsthalle Rostock

2018 – Kunstraum Testorf, zum 70. Geburtstag

2019 – Kunstverein Güstrow 

2019 – Ausstellung im „Schabbel“ (Kulturhistorisches Museum) Wismar

2023 – Galerie ebe, Parchim, zum 1. Todestag