04 Jan. Carlo Cazals – Ein Künstler und seine Dämonen
Prolog
Der Mensch ist auch nur ein Tier, vor allem ein Raubtier. Fürchte den Homo Sapiens. Dieser Erkenntnis, die man mit Blick auf Geschichte und Gegenwart unserer Spezies nachvollziehen kann, ist der Maler und Mensch Carlo Cazals verfallen – und den damit verbundenen Enttäuschungen – mit sarkastischem Blick nach außen und dem nicht ohne Furcht nach innen…
Insofern sind seine Bilder die Bilder eines Notleidenden. Sie sind gleichwohl notwendig, für ihn, damit er nicht der völligen Depression verfällt und uns nur so erhalten bleibt – ein Glück also, dass er sich ausdrücken kann! Und das tut er seit Jahrzehnten auf eine Weise, die man manisch nennen könnte: im permanenten Abarbeiten auf Papier, Pappe oder Holz, zeichnend und malend, als ob es um´s Überleben geht. Was wahr ist. Das Werk selbst war so schon vor mehr als zehn Jahren, als ich C. C. erstmals in Parchim besuchte, nahezu unüberschaubar geworden, die Zeichnungen maßen sich in Zentnern, alles übrige stapelte sich an- und übereinander in allen Räumen zu unübersichtlichem, kaum zu betretendem Chaos. Davor kapitulierte ich damals. Wohlsehend wie wohlwissend, dass es sich lohnen sollte, hinterließ ich ihm jedoch beim Abschied den Wunsch, er möge andere Menschen oder eine Institution finden, die sein erstaunliches Werk in „geordnete Verhältnisse“ überführen wollen und können, damit es für die Kunstwelt sichtbar wird und bleibt. Das Wunder sollte geschehen (s. Nachtrag Seite 50).
Ausstellung und Katalog dokumentieren die Absicht, aktuell sein zu wollen – was heißt, dass in der Hauptsache nur Arbeiten etwa der letzten zwei Jahre gezeigt werden, vor allem Zeichnungen, aber auch eine gewisse Anzahl von Bildern, die einen vergangenen mecklenburgischen Wahlkampf recyceln, indem vordergründige Botschaften einstiger Plakate in hintersinnige Kunstäußerungen verwandelt sind. Aber sehen Sie dann selbst…
Bildwelt, Ausdrucksmittel und Persönlichkeit
Im Folgenden will ich mich hauptsächlich auf das zeichnerische Werk Carlo Cazals´, seine Arbeiten auf Papier beziehen, weil ich dort die besondere, ganz individuelle Stärke und Eigentümlichkeit seiner Bildsprache am prägnantesten und subtilsten ausgeführt sehe.
Schon im Blick auf die frühe Zeit der stilistischen Probierphase der 70er und 80er Jahre zeigt sich in seinen Bildern deutlich die starke grafische Begabung, genauso wie seine Lust auf die menschliche Figur als Gegenstand und Hauptausdrucksmittel. Also nicht die farbgewaltige Bildnismalerei und das große Format mit großen Flächen und Gestalten, wovon er natürlich träumte (und träumt) sondern die Fabulierkunst mit der freischwingenden Linie auf kleinen und großen Blättern hat ihn als einen außergewöhnlichen Gestalter menschlicher Zustände und Abgründe, seine eigenen eingeschlossen, bis in die Gegenwart gebracht.
Die seit etwa 20 Jahren anhaltende und sich fortentwickelnde Charakteristik dieser Zeichnungen zeigt sich in mehreren Auffälligkeiten: Erstens haben wir es rein gegenständlich nicht mehr, bzw. nur noch selten mit der „reinen“ menschlichen Gestalt und einzelnen Teilen ihres Körpers zu tun – in häufig nahezu unentwirrbaren Liniengeflechten sind tierische hinzugekommen, und Mischwesen phantastischer bis gruseliger Art bevölkern die Fläche, Extremitäten wie Füße, Krallen, Schnäbel spielen immer wieder eine große Rolle. Oft entstehen dabei bedrohlich bis karikativ witzig wirkende, nestartige Anhäufungen oder turmartig sich aufbauende Figurationen – zweifelsfrei ausgesprochen surreale Bildwelten und Gestalten, innerhalb derer als ganz besondere stilistische Eigenheit das Figur-in-Figur-Zeichnen immer wieder auffällt.
Zweitens scheinen oder sind diese Bilder nicht absichtsvoll entwickelt, Carlo Cazals verfolgt beim Zeichnen, auch wenn er dazu (s)einen Grund hat, keinen Plan. Die Linien strömen gewissermaßen aus ihm heraus auf die Fläche wie amorphe Ornamente, bilden Formen, die wir dann als Figuren oder Teile von ihnen wahrnehmen. Sie bilden aber keinen Bildraum im Sinne eines Handlungsraumes, spielen kein Theater, das als Geschichte nachzuerzählen wäre. Hier liegt das Eigenwillige der ganz besonderen Ästhetik einer Bildwelt, die im Betrachten dieselbe Leichtigkeit gewinnen kann (wenn man sich einlässt), mit der die Hand des Künstlers ganz offensichtlich den Stift über das Papier führte. („Gespenster der Nacht“)
Diese Leichtigkeit steht drittens ebenso deutlich im Gegensatz zum Thema, das ja geblieben
ist – Mensch und Gesellschaft einschließlich seiner selbst – was ja das Schwere ist für C. C., weil hier für ihn die „Dämonen“ wohnen. Die er, wie ich es sehe, durchaus mit „schöner“ Zeichnung erfolgreich bekämpft, solang die Linien eben fließen. Aber er führt gleichzeitig seinen einsamen Kampf gegen eigenes Enttäuschtsein und erlittene Frustrationen, die auch „herauswollen“ – was seit den 90er Jahren in zunehmender Weise in Gestalt verbaler Auslassungen neben das Gezeichnete, häufig ohne ersichtlichen inhaltlichen Bezug dazu, auf die freigebliebenen Papierflächen drängt.
Dort bekommen wir meist drastische Statements zu verschiedensten Themen von ihm zu lesen, pendelnd zwischen persönlichsten Erfahrungen und abstrakter Weltwahrnehmung. Auch antike und neuzeitliche Philosophen, Dichter und Künstler werden in Zitaten bemüht, natürlich zur Unterstützung des Ausdrucks eigenen Denkens, dem gern auch durch lateinische Sprüche Nachdruck verliehen wird, wie ad aspera ad astra zum Beispiel (etwa „über rauhe Pfade gelangt man zu den Sternen“), womit er gleichsam seinen Weg als Künstler charakterisiert, der es als Individualist per se oder ein zu Lebzeiten meist unerkanntes „Genie“ eben nicht leicht hat.
Alles in allem ist zu konstatieren, dass, wenn man sich einlässt auf das viele Geschriebene auf seinen Blättern, man auf die dunkle Seite einer Persönlichkeit geführt wird, wo wenig Tröstliches zu entdecken ist, im Gegensatz zum Gezeichneten. Wir erfahren von einem Menschen, der sich von der Gesellschaft entfernt hat, sich ihr bewusst entzieht und dafür seine Gründe sieht und formuliert. Und nicht nur das, er hat gewisser maßen den Stab über das eigene Geschlecht gebrochen, wenn er für sich feststellt, dass „der NEUE MENSCH aus dem Reagenzglas ERDE eine eiseskalte Mordmaschine“ aus der „Kampf- und Listgattung“ geworden ist, hauptsächlich ausgerüstet mit einer „Zeugungsmaschinerie in besonders starker Ausführung“. Es ist also von Verzweif- lung die Rede. Aber wir, die Betrachter, müssen diese katastrophale Welt des Künstlers nicht kennenlernen, wir müssen diese Auslassungen nicht unbedingt lesen und bleiben so im „ungefährlichen“ Abstand davon. Oder sollten wir das vielleicht doch tun – und die Begegnung mit dem Werk des Carlo Cazals als Herausforderung annehmen, als ein Wandeln zwischen Extremen, zwischen Liebe und Gewalt, Genie und Wahnsinn? „Sich darauf einzulassen, ist der Schlüssel zu seiner Kunst, man blickt wie durch ein Fenster auf eine Welt, die man selbst nicht betreten muss, in der aber ein Mensch in (letztlich) friedlicher Eintracht mit seinen Dämonen lebt“ – äußerte kürzlich Carsten Kremke in einem Gespräch (s. Nachtrag Seite 50). Eine Ermunterung, die ich gern weitergebe.
Das Bild der Frau zwischen Dämon und Madonna und andere dunkle und helle Visionen
1. Die schönen Füße
Auch in dieser Ausstellung sind sie wieder zu finden, die Bilder seiner schon immer wichtigsten Themen, mit der alles beherrschenden Figur der Frau im Zentrum, was ja in der Malerei nicht gerade selten war und ist. Aber dass häufi g auch nur deren Füße als zu gestaltende Begehrlichkeit im Fokus stehen, wie bei Carlo Cazals, dürfte in dieser Ausprägung als Alleinstellungsmerkmal gelten. Fast in einer Art Apotheose auf die Spitze getrieben und formal monumentalisiert erscheint das in einer Gruppe von Bildern, die im vergangenen Jahr auf den eingangs erwähnten ehemaligen Wahlkampfplakaten entstanden. Die Kunststoffoberflächen mit ihrem Zusammentreffen von Glätte und Weichheit scheinen hier das Malerische und das Mehr an Farbe wohl erzwungen zu haben, und so sind sehr ungewöhnliche, auf neue Weise kraftvoll-groteske „Porträts“ entstanden. „Ich mag eben ganz allgemein schöne Frauenfüße“ – so sein lakonischer Kommentar zu dieser Vorliebe, die, wie zu sehen, die ganzen Beine und selbst auch nur Schuhe einschließt.
2. Das Helle und Beschwingte:
Aber mit diesen Arbeiten wird auch ein anderes, generell wichtiges und typisches Merkmal in der Bildsprache des Künstlers sehr deutlich vorgeführt: Cazals „stellt“ seine Kunst-Gestalten sehr häufig auf oft nur mit wenigen Strichen angedeutete Sockel, Hocker, Tische oder Podeste. Formal ist das eine meist sehr verständliche Notwendigkeit, die Figurationen brauchen Halt im Viereck, finden so einen Bildraum, aber es erschließt sich so auch eine geistige Dimension im Sinne einer auratischen Erhöhung oder Abgrenzung, wie sie der Sockel für eine Plastik in einer Ausstellung oder besonders etwa auf einem öffentlichen Platz schafft. Sehr gut zu sehen ist das auch in vielen Zeichnungen, z.B. in der Studie Nr. 48 zum „Neuen Menschen“ von 2016, das im übrigen in seiner floral-jugendstilhaften Beschwingtheit und lockeren Farbigkeit zu einer Gruppe nahezu als heiter zu bezeichnenden Zeichnungen zu zählen ist, die man im Hinblick auf die Dominanz der eher dunklen Visionen im Werk des Künstlers keinesfalls übersehen sollte (siehe hierzu auch Blatt 24 und die Blätter 25, 31 und 37 mit den römischen „Sockelgöttern“).
3. Die dunklen Visionen:
Podeste spielen auch in Studie 40 zum „Neuen Menschen“ eine Rolle, worauf drei feminine Gestalten und eine weitere platziert und überdies „an den Seilen des Himmels“ wie Marionetten oder gebeutelte Artisten zu hängen scheinen – eine Arbeit, in der mir C. C. Sehr deutlich das Leben als einen möglicherweise von höherer Macht gesteuerten Zirkus hinterfragt – den Ausgang (wie ihn ein Zirkus nun mal haben sollte) hat er nicht vergessen, auch nicht die Feststellung ignorabimus, dass „wir es nie wissen werden“… . Dieses Beispiel offenbart in der typischen Art des Wechselspiels zwischen Gezeichnetem und Geschriebenem sehr anschaulich den Charakter seiner Art zu arbeiten als ein quälerisches Selbstgespräch, dass das Nachdenken über „Gott und die Welt“ nicht ausschließt. Aber häufig führt er dies, auch wenn er dabei gern Nietzsche zitiert, denn doch ganz mit sich allein und seinen ganz persönlichen Dämonen, die aus der Biografie aufsteigen, aus Träumen sowieso, auch solchen, die den Körper betreffen mit Last, Lust, Krankheit, Verlust, Älterwerden…
So entstehen im erweiterten Sinne Selbstporträts wie z. B. mit dem vieldeutigen Blatt „Kein Wunder, dass der nichts verkauft“ (2016) oder auch die durchaus häufigen „normalen“ Selbstporträts, die ohne Text auskommen. Erlebnisse und Gefühle des Unverstandenseins im Hinblick auf seine künstlerische Arbeit gehören dazu und auch deren wirtschaftliche Erfolglosigkeit drängen immer wieder zur Entäußerung, wie zum Beispiel im Blatt „In memoriam – Caspar David Friedrich“, dessen Schicksal er gleichnishaft vor sich und uns aufstehen lässt. Gleiches gilt für die Problemkreise Individuum und Masse oder Genie und Spießer (Philister), die ihn in zahlreichen Arbeiten umtreiben und über das Zeichnen hinaus zu manch drastischen verbalen Ausbrüchen drängen. Und dann gibt es noch etliche Blätter, wie z. B. „Pithekanthropus“ oder „Der Obskurant“, deren Gestalten nun wirklich einem Kabinett der seltsamsten Art entstiegen scheinen… .
4. Dämon und Madonna:
Carlo Cazals hat sich einmal sehr offen zum Thema FRAU geäußert: „Die Angst vor den ungeheuren Reizen der Frau verfolgte mich schon in früher Kindheit. … Asketisch vermied ich Künstlerfeste… und aus Angst, mein bevorstehendes Werk nicht bewältigen zu können, wich ich den Frauen aus.“ Oder: „Der Entzug Frauen mit all seinen Folgen und dämonischen Ausbreitungen schuf sich einen unerträglichen Raum“. An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, dass er ursprünglich gern Geigenbauer geworden wäre (was man ihm von Amts wegen ausredete) und dann, weil mit der entsprechenden Begabung ausgestattet, eine Karriere als Opernsänger (dramatischer Tenor) begann, also nicht nur ein großer Maler werden wollte (deshalb der Künstlername – als Udo Klein wäre seine Erscheinung auf der Bühne gewissermaßen kontraproduktiv gewesen). Der Leistungsdruck war immens – und so entstand nachvollziehbar die Königin im Olymp seiner Dämonen. Was ihn aber nicht davon abgehalten hatte, zu heiraten (wenn auch wieder scheiden zu lassen) und seine von ihm über deren Tod hinaus hochverehrte erkrankte Lehrerin jahrelang zu pfl egen, wie später seine Mutter auch. Besonders in den 80er Jahren lebte er „unter dramatischsten Verhältnissen“. Gerettet wurde er von Inge, der Frau mit den schönen Füßen und der guten Sopranstimme, die ihm bis heute zur Seite steht. „Ich habe ihr viel zu verdanken. Jetzt beschützt sie meine Kunst“, so einst Carlo Cazals selbst. Heute beschützt sie vor allem ihn, um seine Kunst kümmern sich nun glücklicherweise auch andere.
Ein solcher Hintergrund macht natürlich nicht nur die vielen kurvenreichen Bilder mit dem zentralen Sujet Frau plausibler, sondern erklärt auch den ganzen Facettenreichtum an hinter- gründigen erotischen Gestalten und Anspielungen in seinen Körperlandschaften, wo es natürlich nicht nur um Füße geht. Die verwandeln sich aber gleichwohl gern in die Krallen listiger Raubvögel, und die Schnäbel finden sich auch. Ganz klar sehen wir einerseits seine Faszination Femina, am liebsten in puris naturalibus, aber der Künstler genießt sie nicht nur, sondern scheint sie auch zu fürchten – „die Beherrschung der Welt durch das Weib“. Ein gutes Beispiel, das beides vereint zeigt, ist das Blatt „Grazien“, wo „ein armes kleines“ Wesen und ein ältlicher Männerkopf von eben diesen Göttinnen der Anmut umgarnt werden. Das Blatt „Nächtliche Geister“ spricht eine ähnliche Sprache und auch die „Exorbitante schwangere Schönheit“ zeigt mehr als die Worte ahnen lassen. Nicht übersehen und verschwiegen sein soll an dieser Stelle die Tatsache, dass Carlo Cazals hin und wieder tatsächlich auch Madonnen-Bilder (im Sinne der christlichen Ikonografie) malte und andere der „einfachen“ und aufrichtigen Begeisterung oder Anbetung des Weiblichen, wie in seinen St.-Pauli-Studien früher oder manchen anderen von heute.
Epilog
Carlo Cazals bezeichnet sich selbst als Hervorbringer eines „Skurrilen Irrationalismus“, womit er seinen Stil meint und gleichzeitig seine philosophische Selbstverortung. Mit der Zuordnung des Werkes zeitgenössischer Künstler zu alten oder neuen Ismen habe ich zwar so meine Schwierigkeiten, weil es unser Denken und Fühlen auf Schubladen einschränkt, und auch das Neuaufmachen solcher wenig hilfreich ist. Jedoch begründet dieses Begriffspaar auf durchaus zutreffende Art die wesentlichen Eigenschaften seiner künstlerischen Ausdrucksweise – er arbeitet keineswegs rational vom Verstand her, sondern tatsächlich geleitet von seinen ihn gerade umtreibenden Gefühlen und inneren Zuständen, wenn er mit Stiften, Pinseln und Farben vor seinen Vierecken sitzt. Und die Ergebnisse sind dann in der Tat sehr sonderbar oder seltsam und häufig auf befremdende Weise eigenwillig – alles in der Regel unverzichtbare Merkmale guter Kunst – besonders im Zeitalter globaler Gefahren für die Bewahrung tatsächlicher Individualität als notwendiger Ausgangspunkt für sie. Seine Bilder bleiben spannend für die Neugierigen und geben immer Rätsel auf – ob mit oder ohne Titel und andere schriftliche Zutaten. Man kann sie durchaus gern haben (ich insbesondere die, welche ohne letztere auskommen), selbst wenn sie das Inferno der Verluste und Schmerzen ausbreiten – aber besser noch die reine Poesie von Form und Farbe, hin und wieder gar den Schalk. Das geübte Auge findet den Spaß oder die Freude am Nachvollzug von Linienführung und sparsamer Farbakzentuierung und wie sich diese zu bizarrsten Gestalten formieren oder turbulenten Szenerien aus einer anderen Welt, wie sie eben nur Carlo Cazals kennt. Es sind seine Dämonen und Visionen und sie bereichern unser Universum. Dieses unser Wissen und diese Ausstellung mögen ihm Ermunterung sein.
Nachtrag
Diese Ausstellung zum 70. Geburtstag des Künstlers hier in unserer Galerie wünschte sich Inge Klein, die Ehefrau von Carlo Cazals, in einem Telefonat Ende 2016 – wie sie schon 10 Jahre früher dafür gesorgt hatte, dass ich seine Bilder seinerzeit in Rehna zeigte. Sie konnte, da ich mich in Erinnerung schwieriger Umstände sehr unschlüssig zeigte und um mich zu ermuntern, mit einem gewissen Stolz in der Stimme auf den Ort Garwitz verweisen.
So lernte ich im vergangenen Jahr das überaus vielseitig engagierte Unternehmerehepaar Britta und Carsten Kremke aus diesem Ort in der Nähe von Parchim kennen, die es auf erstaunlichste Weise geschafft haben, meinen damals geäußerten Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen (s. Prolog) – es gibt sie eben doch noch, die Wunder: Nicht nur, dass die beiden etliche Bilder Carlo Cazals´ kauften, weil sie sich schlicht und ergreifend in deren künstlerische Eigenarten verliebt hatten, sondern sie haben in den letzten Jahren nahezu das gesamte Werk des Malers und Zeichners in ihre Obhut genommen, und das mit einem unerhörten persönlichen, technischen und natürlich auch finanziellen Aufwand – vor allem aber mit großer und andauernder Begeisterung! Sie firmieren nun auch mit Werkeverwaltung Carlo Cazals, haben ihr Bürogebäude gewissermaßen in ein Museum verwandelt – im großzügigen Flur und in sämtlichen anderen Räumen hängen eigens wohlgerahmt dicht an dicht seine Bilder, damit sie und alle Mitarbeiter und Besucher die auch immer sehen können. In etlichen Grafikschränken und Mappen ruhen wohlgeordnet die Zeichnungen und in Regalen ebenso weitere Bilder, Tendenz natürlich zunehmend. Aber auch das ist noch nicht alles: Kremkes haben eine Internetseite für Carlo Cazals erarbeitet und ins Netz gestellt, für ihn die Mitgliedschaft im Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommerns herbeigeführt, organisieren mit dem Fundus Ausstellungen an anderen Orten, wie z. B. 2015 in Kühlungsborn oder 2016 in Hamburg und gaben hierzu ansprechende Kataloge heraus. Auch in diesem Jahr und in besonderer Veranlassung durch den 70. Geburtstag des Künstlers ist so einiges in Arbeit, nicht nur dieser Katalog und die Ausstellung in unserer Galerie, im KUNSTRAUM TESTORF, die allerdings ohne die beschriebenen Voraussetzungen und die solcherart produktive Partnerschaft mit den Garwitzern nicht zustande gekommen wären. Wir hoffen, dass es sich als gemeinsames Projekt für alle Kunstinteressierten als lohnend erweist.
Ulrich Rudolph, Kunstwissenschaftler, Testorf